RollenspielSteampunk

Festival Fantasia – Schierke 2017

Das Festival Fantasia - Part 2 in Schierke

Eine Woche vor dem Festival Fantasia sah das Wetter noch ziemlich übel aus: Hochwasser im Harz, Dauerregen, überspülte Straßen einfach Massen an Wasser. Auch das Wetter am Samstag sah eigentlich eher durchwachsen aus, laut Wetterbericht sollte es anfangs regnen und die Temperatur auf maximal 18 bis 20 Grad hochklettern. Die Aussichten sahen also nicht wirklich rosig aus, gerade wenn man im Kostüm und Schminke den ganzen Tag im Stadtpark verbringen möchte. Aber es sollte alles anders kommen und davon erzählt dieser Bericht …

Was ist eigentlich das Festival Fantasia, welches am Wochenende das zweite Mal ausgetragen wurde? Nun das Festival ist ein Mitmach-Rollenspiel Festival, hier kann jeder, wenn er möchte in eine Rolle schlüpfen und auf dem Festival sein Rollenspiel mit Gleichgesinnten ausleben. Man findet hier Rollenspieler, Cosplayer oder einfach interessierte, welche eintauchen wollen in das Königreich Schierke. Begleitet wird das Festival von einer Live-Bühnenshow, Livemusik, Händlern, Künstlern, Verlagen und natürlichen Tavernen wo man sich mit Speis und Trank eindecken kann. Wie auch die Walpurgisnacht, wird auch das Festival Fantasia im Kurpark von Schierke ausgetragen, welcher als Kulisse für Fantasie-Rollenspiel einfach ungeschlagen ist. Grüner Wald, die kalte Bode, Grünflächen und das in einer historischen Stadt, welche schon in Goethes bekanntem Werk Faust, zum Thema Walpurgisnacht Erwähnung fand.

Für dieses Jahr waren die Bands Fairy Dream und Drachenflug für das musikalische Wohl der Gäste verantwortlich. Den schweren Start der ersten Band hatte Fairy Dream, welche Anfangs noch mit den Einstellungen der Mikrofone und Instrumente zu kämpfen hatten, dann aber einen guten musikalischen Einstieg in die Welt der Feen und anderen Fabelwesen fanden. Anschließend hatte Drachenflug ihren ersten Auftritt an diesem Tag und spielten als Duo (mit Gitarre und Gesang) für die ersten Ankömmlinge. Die weiteren Auftritte an diesem Wochenende waren dann aber mit vollbesetzter Band und lieferten Ihr musikalisches Wissen aus der Welt des Steampunks. Interessant war der Kontrast der beiden Bands, welche hätten unterschiedlicher kaum sein können – aber es hat sehr gut gepasst und zeigten auch musikalisch die Fassetten des Rollenspiels. Was auch sehr positiv war, das die Lautsprecher so positioniert wurden, das man die Musik auf den gesamten Gelände hören konnte und dies in einer angenehmen Lautstärke. So musste man nicht zwingend an der Bühne sitzen, sondern konnte gemütlich durch den Wald schlendern und die Natur oder das Rollenspiel genießen.

Auf der kleinen Bühne präsentierte Doc Mac Dooley die Welt der Feen und Kobolde. Gerade die jüngeren Gäste hörten und sahen den versierten Feenforscher interessiert zu, als er Geschichten aus der Feenwelt erzählte und magische Experimente zu präsentierten wusste. Und während die Kleinen das Wissen der Feen erlernten, hatten die Eltern die Möglichkeit sich in Ruhe ein kühles Getränk zu genehmigen oder sich mit einer kleinen Mahlzeit zu stärken, was natürlich auch für die jungen Gäste galt. Auch für Fragen rund um das Thema Feen und Fabelwesen stand der Doc mit Rat und Tat zur Seite.

Was nach dem ersten Rundgang sofort positiv aufgefallen war, es gab hier nicht die typische Auswahl der Händler, wie man es von einem Mittelaltermarkt kennt. Neben den Verlagen aus den Genre Steampunk und Fantasie, gab es viele Künstler, welche selbst erstellte Masken und Kleider feil boten. Auch hatten Kinder die Möglichkeit sich schminken und kostümieren zu lassen. Der Schwerpunkt lang hier eindeutig auf Fantasie und Rollenspiel und nicht bei Mittelalter. Gerade die Auswahl der Händler muss eine Herausforderung für den Veranstalter gewesen sein, hier ein ganz großes Lob von meiner Seite. Auch dafür, das hier so gut an Kinder und Familien gedacht wurde. Auch die Auswahl an Workshops und Lesungen waren sehr Abwechslungsreich, ich meine wo kann man sich schon seinen eigenen Kopfschmuck basteln und das unter der Anleitung einer Designerin.

Eines der Highlights des Festivals war natürlich die Bühnenshow, eine Fortsetzung der Geschichte (Link zum Storyboard), welche vor 2 Jahren anfing und an diesem Wochenende ihre Fortsetzung fand. Die Geschichte wurde in jeweils einzelne Teile über das gesamte Wochenende präsentiert. Es gab eine atemberaubende Show aus Schwertschaukampf, Tanz, Akrobatik, Reitkünsten und Schauspiel. Untermalt durch Nebel- und Feuereffekte und epochaler Musik. Die Darsteller lieferten hier eine souveräne Show ab und die 2 Jahre an investierter Zeit für die Fortsetzung der Story haben sich wirklich gelohnt. Was ich ebenfalls sehr gut fand war, das die Darsteller auf den Pferden sich abseits der Bühne auch Zeit für die Zuschauer nahmen und jeder die Chance bekam ein Foto zu machen oder sogar das eine oder andere Pferd zu streicheln. Gerade so Aktionen machen ein wirklich gutes Festival aus und lässt Kinderherzen höher schlagen.

Zwischen der ganzen Musik und der Bühnenshow wurde noch eine Modeshow von zwei hiesigen Designerinnen präsentiert, welche ihre Kollektion an Cosplay Kostümen und Kopfschmuck präsentierten. Die Wahl der Kostüme war ebenso Facettenreich wie schön anzusehen, es gab Kostüme welche von Game of Thrones inspiriert wurden, also auch elegante Herrenanzüge, welche aus der Steampunkwelt stammten. Aber auch der Kopfschmuck konnte sich sehen lassen und sah wirklich atemberaubend aus. Nach dem Schaulaufen der professionellen Modells und einer kleinen Darbietung einer Kugeltänzerin, gab es im Anschluss noch ein Catwalk von Cosplayern, welche ihre eigenen Kostüme präsentieren konnten. Die Auswahl an Kostümen war auch hier sehr vielfältig und zeigte die künstlerischen Fähigkeiten der Trägerinnen und Träger, welche viel Zeit und Liebe in ihre Arbeit investierten.

Das Festival Fantasia war einfach fantastisch, anders kann man es nicht ausdrücken. Auch der Kurpark war trotz des Regens der letzten Tage in sehr gutem Zustand und man hatte keine Probleme mit Schlamm oder Pfützen. Das Wetter war ebenfalls hervorragend und es war zeitweise wirklich heiß und man musste aufpassen keinen Sonnenbrand zu bekommen. Besser hätte es nicht laufen können. Was auch positiv aufgefallen ist, das es auf dem Festival sehr viel Security gab, welche immer ein Auge auf alles hatten, diese aber nie wirklich aufgefallen und gestört haben. Das erlebt man auch sehr selten, das die Security unaufdringlich und völlig unauffällig handelt. Gerade auch, weil das Festival sehr kinderfreundlich gestaltet war. Ich habe eigentlich nur einen wirklichen Kritikpunkt, die Position der FOH war irgendwie merkwürdig, da neben der Bühne die Soundeinstellungen doch wesentlich komplizierter sind einzustellen, als wenn man den FOH vor der Bühne aufbaut. Meiner Meinung nach hätte das so einige Soundprobleme vermieden. Aber das ist auch schon alles was man kritisieren kann. Ansonsten ist das Festival Fantasia eine erstklassige Empfehlung für Rollenspieler.

 

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Adnae Inviere

Ich bin seit über 20 Jahren begeisterter Pen and Paper Rollenspieler und ebenso lange der Gothic Szene angehörig. Meine Lieblingsfarbe und mein Kleiderschrank kennt keine andere Farbe als schwarz. Zusätzlich begeistere ich mich für Steampunk und seine Philosophie aus einfachen Sachen, neues zu bauen und zu entwerfen.
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